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 Digitale Kurzwelle: Rundfunksendestelle Nauen bei Berlin
Tag des offenen Denkmals in der Rundfunksendestelle Nauen Beitrag aus Heft 12/2003 des RADIOJournals TEIL 1 | Teil 2 | Teil 3
 Wer mit dem Zug von Berlin in Richtung Wittenberge fährt oder mit dem Auto auf dem westlichen Berliner Autobahnring unterwegs ist, kennt die markanten Antennenanlagen, die vor den Toren der Hauptstadt aus der weiten Ebene des Havellandes herausragen. Auch 2003 bot die Deutsche Telekom als Betreiberin der Rundfunksendestelle Nauen einen Blick hinter die Kulissen des geschichtsträchtigen Ortes. Im Mittelpunkt des Interesses am Tag des offenen Denkmals: Das 1920 eingeweihte Muthesius-Gebäude, in der heute die Leitstelle der vier modernen Kurzwellensender untergebracht ist. Von Nauen aus wird das Programm von DW-RADIO rund um den Globus gesendet.

Drehstandantennen und Muthesius-Hauptgebäude
Das Eingangstor an der Graf-Arco-Straße steht an diesem Tag weit offen. Bald geben die dichten Bäume entlang der Zufahrtsstraße den Blick frei auf die erste der vier rund 80 Meter hohen und 76 Meter breiten 500 Kilowatt-Drehantennen. Auf den ersten Blick dem Großmast eines Segelschiffes gleichend, läßt sie das benachbarte, 1916 vom deutschen Werkbund-Architekten Hermann Muthesius (1861 - 1927) geschaffene Bauwerk eher klein erscheinen. Doch kaum steht man im Inneren des alten Gebäudes, spürt man den Atem der inzwischen fast hundertjährigen Nauener Sendergeschichte.
Beeindruckende Industriearchitektur Muthesius achtete bei der Gestaltung des Baus auch auf die Gesamtwirkung: Er errichtete zwei sich kreuzende, hallenartige und lichtdurchflutete Gebäudeteile, integrierte das frühere Senderhäuschen und reproduzierte es auf der anderen Seite, so dass eine Symmetrie entstand. An der Kreuzung der beiden Gebäudeachsen führte er die Antennen in das Innere des Komplexes. Die Antennen sind heute aus dem Hauptgebäude ebenso verschwunden wie die früheren Maschinen, Spulen und anderen technischen Betriebsteile. Doch zahlreiche Exponate erinnern am Tag des offenen Denkmals an die frühere Funktion der "Großfunkstelle Nauen", die 1920 durch Reichspräsident
Friedrich Ebert eingeweiht wurde.

Drehstandantennen und Muthesius-Hauptgebäude
Von der Versuchs- zur Betriebsstation Bereits 1897 stellten der Physiker Professor
Adolf Slaby und sein Mitarbeiter Georg Graf von Arco im Beisein von Kaiser Wilhelm II. die erste Funkverbindung auf deutschem Boden her. Sie befestigten einen Draht auf dem 24 Meter hohen Glockenturm der Heilandskirche in Sacrow bei Potsdam. Empfangen wurden die Signale an der 1,6 km entfernt gelegenen Matrosenstation an der Schwanenallee. Heute erinnert eine Gedenktafel an dieses Ereignis, das den Auftakt für die weitere Entwicklung der Funktechnik in Deutschland bildete. Die Gründung der Kurzwellen-Sendestation Nauen war eng verbunden mit der "Gesellschaft für drahtlose Telegraphie" von Emil Rathenau (AEG) und Werner von Siemens und ihrer im Mai 1903 ins Leben gerufenen gemeinsamen Geschäftsmarke
Telefunken. Um im international aufkommenden Wettbewerb um drahtlose Reichweiten mithalten zu können, beschloß man den Bau einer Versuchsstation, die zur Erprobung von Großsendern dienen sollte.
1906 entstand im Havelland nördlich von Nauen eine kleine Sendestation und ein 100 Meter hoher Antennenmast mit einer Leistung von 10 Kilowatt, erzeugt von einer Dampfmaschine und einem kohlebetriebenen 35 PS-Stromgenerator. Es wurde berichtet, dass der erzeugte Motorenschall eine größere Reichweite gehabt haben soll als die ausgesendeten Morsezeichen. Doch dies änderte sich rasch: Mit zunehmender Antennenleistung war man bereits drei Jahre später in der Lage, die 5.000 km entfernt gelegenen früheren deutschen Kolonien in Afrika zu erreichen.

Exponate in der Halle des Muthesius-Hauptgebäudes
Der vielfältige Nutzen der neuen Technik war offenkundig. Bereits 1910 vollzog sich daher der Wandel zu einer auf Dauer angelegten Betriebsstation: Ein höherer Mast, ein stärkerer Motor, eine Leistung von 150 Kilowatt und Reichweiten bis nach Mittelafrika und Nordamerika führten dazu, dass der Sender in Nauen ab 1914 auch als Ersatz für die während des Ersten Weltkrieges zerstörten Transatlantikkabel und für militärische Zwecke diente. Angesichts der rapide gewachsenen technischen Anforderungen erwiesen sich die bisherigen Anlagen bald als zu klein: Dies war die Stunde des Werkbund-Architekten Hermann Muthesius, der mit den Vorstellungen der damaligen Funkingenieure konfrontiert wurde und eine Lösung fand.
Im Januar 1918 nahm in Nauen die "Drahtlose Übersee-Verkehr AG" ihren weltweiten Funknachrichtendienst auf. Spätestens jetzt war der Ort überall auf dem Erdball bekannt. 1932 übernahm dann die Deutsche Reichspost die Station. Sie wurde baulich und technisch erweitert und diente im Zweiten Weltkrieg der Nachrichtenübermittlung und als Störsender. Im April 1945 schließlich wurden die Antennen und Sender von der Roten Armee gesprengt.
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